Die ans Kreuz genagelte Skulptur von Jesus Christus – das ist ein Kruzifix. Die frühen Christen konnten dem Kreuzigungs-Thema nichts abgewinnen, fanden derartige Darstellungen vermutlich unpassend oder sogar abstoßend. Diese Einstellung änderte sich aber langsam, nachdem in Rom 320 die Kreuzigungsstrafe abgeschafft wurde. Spätestens seit dem frühen Mittelalter waren Kruzifixe eine verbreitete Form, das Leiden Jesu und die christliche Heilsbotschaft künstlerisch umzusetzen. Wirft man aber einen genaueren Blick auf die Christusdarstellungen, erkennt man deutliche Unterschiede, die über den reinen „Kunstgeschmack“ der jeweiligen Epoche hinausgehen.

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Kruzifix aus der Kathedrale von Reims

Auffällig ist vor allem die unterschiedliche Interpretation zwischen der Romanik und der nachfolgenden Gotik: Zeigten die Kruzifixe zunächst eine Christusfigur, die über den Tod triumphierte, trat später das Leiden Christi in den Vordergrund. Verzerrte Gliedmaßen und tiefe Wunden sollten die Qual plastisch verdeutlichen. Die naturnah dargestellte Brutalität ist selbst heute nichts für zarte Gemüter. Die zunehmende Kunstfertigkeit der Holzschnitzarbeiten tat wohl ihr Übriges, die Gläubigen zu mahnen.

Kruzifixe auf Vortragekreuzen

Kruzifixe gehören gleichsam zur Standard-Ausstattung römisch-katholischer Gotteshäuser und sind auch in vielen Privatwohnungen und öffentlichen Gebäuden zu finden. Besonders große, auffällige und kunstvoll gestaltete Kruzifixe kommen bei Prozessionen zum Einsatz: Die sogenannten Vortragekreuze bilden die Spitze dieser religiösen Umzüge.

Während traditionelle Kruzifixe ganz aus robustem Holz bestehen, verwendet die moderne Kunst zahlreiche weitere Materialien, zum Beispiel Glas, Kunstharz, Bronze oder andere Metalle. Bei neuen Wegekreuzen, die Wind und Wetter ausgesetzt sind, besteht die Christusfigur manchmal aus einem Kunstharz, das beispielsweise Eichenholz imitiert.

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