Die Kreuzzüge zählen zu den umstrittensten, brutalsten, aber auch zu den spektakulärsten Aktionen des christlichen Mittelalters. Zwischen 1096 und dem Ende des 13. Jahrhunderts brachen immer wieder Zehntausende Kreuzritter, aber auch Söldner und einfaches Volks, zum Kampf gegen die Sarazenen auf. Ihr religiöses Ziel war es, die heiligen Stätten Jerusalems vom islamischen Einfluss zu „befreien“ und den christlichen Pilgern ungehinderten Zugang zu sichern.

Warum Kreuzzüge?

Im übergeordneten Sinne waren die Kreuzzüge eingebettet in den Kampf um politische und wirtschaftliche Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer. Mit Sorge sahen die europäischen Herrscher, wie sich seit dem 7. Jahrhundert der Einfluss von islamisch geprägten Volksgruppen und Dynastien ausbreitete. Von hoher Symbolkraft war auch die Zerstörung der Jerusalemer Grabeskirche, dem vielleicht wichtigsten christliche Heiligtum, im Jahr 1009.

Die Aufforderung zu den Kreuzzügen ging nicht von weltlichen Herrschern, sondern von den jeweiligen Päpsten aus. Nach damaligem christlichen Verständnis konnten nur sie (als Stellvertreter Gottes) zu einem heiligen und darum gerechten Krieg aufrufen. Die Teilnehmer der Kreuzzüge mussten einen Eid ablegen – im Gegenzug winkte ihnen die Vergebung all ihrer Sünden. Entsprechend groß war die Begeisterung, als Papst Urban II. in der berühmten Synode von Clermont zum ersten Kreuzzug aufrief. Ihm sollten im Laufe der folgende knapp zwei Jahrhunderte noch sechs weitere große Kreuzzüge folgen.

Sieg – und Niederlage

Nach einigen erheblichen „Anlaufschwierigkeiten“ war der erste Kreuzzug ein militärischer Erfolg. Er gipfelte in der Einnahme Jerusalems im Jahr 1099. Zugleich entstanden im Nahen Osten vier Kreuzfahrerstaaten, in denen eine kleine christliche Elite die Herrschaft über eine heterogene Bevölkerung übernahm.

Was seinerzeit niemand ahnte: Der erste Kreuzzug sollte unter dem Strich der erfolgreichste bleiben. Die meisten seiner Nachfolger waren militärische (und moralische) Desaster. Die im Zeichen des christlichen Kreuzes angetretenen Krieger machten durch zahlreiche Gräueltaten an der islamischen Bevölkerung auf sich aufmerksam, konnten aber nicht verhindern, dass das „Heilige Land“ Zug um Zug wieder unter islamische Herrschaft geriet. 1187 eroberte Sultan Saladin Jerusalem. Der legendäre Kaiser Friedrich Barbarossa starb während des dritten Kreuzzugs – aber nicht durch Feindeshand, sondern durch einen Badeunfall. Der Schlusspunkt folgte 1291 mit dem Verlust von Akkon, der letzten Kreuzfahrer-Bastion am Mittelmeer.

Gewaltsame Pilgerreise

Obwohl die Bezeichnung „Kreuzzug“ recht passend erscheint, ist sie eine vom französischen „croisade“ abgeleitete moderne Wortschöpfung. Die Zeitgenossen des Mittelalters sprachen stattdessen oft lateinisch von einer „peregrinatio“, einer (Pilger-)Reise.

Kreuzzug