Das Bekreuzigen, also die Ausführung des Kreuzzeichens, ist tief in der christlichen Liturgie verwurzelt. Wahrscheinlich drückten bereits die Urchristen in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung damit ihre Verbundenheit mit Jesus Christus aus. Allerdings findet das Kreuzzeichen erstaunlicherweise keine Erwähnung in der Bibel.

Wie wird das Kreuzzeichen ausgeführt?

In der Geschichte christlicher Konfessionen entwickelten sich verschiedene Abfolgen und Handhaltungen für das Bekreuzigen. So wurde das Kreuz je nach Ritus mit einem, zwei oder drei Fingern gezogen. Ein einzelner Finger konnte dabei der einzigen Gott symbolisieren, zwei Finger die Einheit von Gott und Mensch, drei Finger die Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist. Nicht alle Interpretationen sind historisch gesichert.

Unterschieden werden heute das „kleine Kreuzzeichen“ mit drei Kreuzen über Stirn, Mund und Brust – und das „große Kreuzzeichen“, das sich aus einer ausladenden Bewegung von der Stirn zur Brust und den beiden Schultern (zuerst rechts, dann links) zusammensetzt. Wer auf Latein betet, spricht zu dem großen Kreuzzeichen die bekannten Worte „In nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti. Amen.“

In der katholischen und der orthodoxen Kirche gehört das Kreuzzeichen zur selbstverständlichen Praxis in Gebet und Gottesdienst. In der evangelischen Kirche wird es deutlich sparsamer eingesetzt, ist auch dort durchaus üblich. Sogar der Reformator Martin Luther soll das morgendliche und abendliche Bekreuzigen ausdrücklich empfohlen haben.

Das Kreuz schützt die Gläubigen

Im Volksglauben, abseits der offiziellen Liturgie, hatte das Kreuzzeichen eine ganz handfeste Bedeutung: Es sollte Unheil von den Menschen abhalten. Wer an der richtigen Stelle ein Kreuz machte, konnte also hoffen, die Mächte der Finsternis vom eigenen Haus, seinen Bewohnern oder dem Vieh fern zu halten.

Kreuzzeichen / Bekreuzigen