Glaubt man der biblischen Überlieferung bis aufs Wort, war der Leidensweg Christi – die Strecke von seiner Verurteilung bis zu seinem Kreuztod auf dem Hügel Golgatha – rund 1000 Meter lang. Dieser letzte Kilometer, auf dem Jesus sein Kreuz streckenweise selbst schultern musste, wurde seit dem hohen Mittelalter Vorbild für zahlreiche „Kreuzwege“: eine Abfolge von Stationen, auf denen Gläubige und insbesondere Wallfahrer den Leidensweg nachvollziehen konnten. Wer auf diesem Kreuzweg ging, dem konnten die Sünden erlassen werden.

Kreuzweg
Figuren am Kreuzweg Velbert-Neviges – © Thomas Max Müller / pixelio.de

Kreuzwege werden populär

Der Franziskaner-Orden brachte den Ritus der Kreuzweges aus Jerusalem nach Europa. Bestand der Weg zunächst üblicherweise nur aus zwei Stationen, kamen im Laufe der Jahrhunderte weitere hinzu. Aus zwei wurden zunächst sieben, dann 14 und in manchen Fällen sogar 15 Stationen. Der symbolische Kreuzweg beginnt stets beim Haus der römischen Statthalters Pilatus, wo Jesus zum Tode verurteilt wird. An der 14. Station ist Jesus bereits gestorben und wird in sein Grab gelegt. An der (optionalen) 15. Station findet meist die heilige Helena das Kreuz. Die zugehörige Legende von der „Kreuzauffindung“ in der Grabeshöhle stammt aus dem 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, ist also keine biblische Geschichte.

Im Laufe der Geschichte entstanden in Europa mehr und mehr Kreuzwege, die zudem immer aufwändiger gestaltet wurden. Neben einfachen Bilderzyklen und Skulpturen entstanden ganze „Kalvarienberge“, die die Leidensgeschichte anhand lebensgroßer Figuren nachbildeten.

Wer heute auf einem Kreuzweg betet, ist dazu angehalten, an jeder einzelnen Station niederzuknieen – einen „Fußfall“ zu leisten.

Via Dolorosa

Die originale „Via Dolorosa“, der Prozessionsweg in Jerusalem, ist heute nur etwa 600 Meter lang. Sie beginnt an den Überresten der Antoniafestung, wo möglicherweise der historische Amtssitz von Pilatus lag, und endet an der Grabeskirche. Noch immer befindet sich der Kreuzweg der Via Dolorosa unter der Obhut der Franziskaner.

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