Wo könnte ein Ort namens Kreuzthal gelegen sein, wenn nicht tief in katholischen Landen? Und tatsächlich kennt der Freistaat Bayern sogar zwei Siedlungen, die diesen Namen führen. Allerdings muss man in Google Maps schon ziemlich kräftig zoomen, um die beiden Kreuzthals aufzufinden.

Kreuzthal-Eisenbach im Oberallgäu

Glaubt man der Homepage desjenigen Kreuzthals, das im Allgäu liegt, ist der fehlende Handyempfang eines seiner wichtigsten Vorzüge. Geschuldet ist diese Kommunikationswüste sicherlich der Tallage am Flüsschen Eschach – wodurch bewiesen wäre, dass wenigstens die zweite Hälfte des Ortsnamens keine Mogelpackung ist. Und ein Urlaub ohne aufgeregt vibrierendes Handy mag für viele gestresste Städter (und Eltern pubertierender Smartphone-User) absolut erstrebenswert sein.

Tatsächlich bietet Kreuzthal im Oberallgäu ein waldreiche Natur, in der sich Wanderer und Radfahrer austoben können. Und unter den nicht mal 200 Einwohnern sind einige Gastronomen und Ferienvermieter, sodass es Urlaubern an nichts mangeln muss.

Administrativ zählt Kreuzthal – ebenso wie das benachbarte Eisenbach – zu dem „Markt Buchenberg“. Seit der bayerischen Gebietsreform umfasst Buchenberg nicht weniger als 50 kleine bis kleinste Gemeindeteile. Aber wohl keines liegt so weit abseits „vom Schuss“ wie Kreuzthal.

Kreuzthal in Franken

Das zweite Kreuzthal befindet sich in Unterfranken, gehört zur dortigen Gemeinde Riedbach, und ist tatsächlich noch kleiner als der Allgäuer Namensvetter. Nur gut 100 Einwohner zählt das (ein wenig verschlafene, aber recht schmucke) Kirchdorf.

Bei diesem Kreuzthal fällt es besonders leicht den Namen herzuleiten: Im Jahr 1237 vermerkte eine Urkunde, dass hier ein Kloster mit dem lateinischen Namen „Vallis sanctae crucis“ (zu deutsch „Kreuzthal“) gegründet werden sollte. Da man aber das Klima im Fränkischen zu hart fand, zogen die Zisterzienserinnen schon sechs Jahre später nach Mariaburghausen an den Main. Die Menschen des Mittelalters mögen nicht nur das Klima, sondern auch die Landschaft anders bewertet haben als heutige Beobachter. Denn auch der Namensbestandteil -thal wirkt eine Spur großspurig: Ein Bächlein namens Wässernach hat hier ein bescheidenes Tälchen in die Schweinfurter Rhön eingekerbt.

Kreuzthal (Bayern)