Laut Statistik hat die Stadt Kreuztal mehr als 30.000 Einwohner und liegt im Kreis Siegen-Wittgenstein des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Wer aber als Auswärtiger nach Kreuztal kommt, hat etwas Mühe, einen realen Ort zu identifizieren. Denn die Gemarkung Kreuztal besteht zu rund drei Vierteln aus Wald, Wiese und Ackerflächen, in denen sich 13 „Stadtteile“ – eigentlich Dörfer – locker verstreuen.

Wie konnte es dazu kommen?

Kreuztal ist ein Produkt der nordrhein-westfälische Gemeindegebietsreform – nicht mehr und nicht weniger. Im Jahr 1969 verfügte das Bundesland unter anderem die Neuordnung des Landkreises Siegen. Derartige Reformen standen vor allem in den 1970er-Jahren überall in Deutschland auf der Tagesordnung. Ihr Ziel war es, schlankere und billigere Verwaltungsstrukturen zu schaffen – ihr Preis war die teilweise willkürliche Zusammenlegung zu Siedlungskonglomeraten ohne Zentrum, emotionalem Zusammenhalt oder gemeinsamer Geschichte.

Vielerorts waren solche Gebietsreformen daher sehr umstritten – so auch im Siegerland. In der Stadt Kreuztal wurden Orte mit einigen Tausend Einwohnern (wie Ferndorf) mit kleinsten, nur wenige Häuser zählenden Dörfern zusammengezwungen. Über die Region hinaus bekannt ist der Kreuztaler Stadtteil Krombach, weil dort das Krombacher Bier gebraut wird.

Auch das noch: Ehrenbürger Friedrich Flick

Abgesehen von der kuriosen Stadtstruktur und der Brauerei ist Kreuztal wegen eines prominenten Einwohners in die Schlagzeilen geraten: Der Industrielle Friedrich Flick war nicht nur ein Rüstungsproduzent, sondern auch ein verurteilter Verbrecher der NS-Zeit. Er soll in enteigneten, ehemals jüdischen Betrieben zahllose Zwangsarbeiter beschäftigt haben. Dennoch wurde Flick in der Nachkriegszeit zum Ehrenbürger ernannt und durfte dem hiesigen Gymnasium seinen Namen geben. Der Protest jüdischer und progressiver politischer Kreise war angesichts dieser Verquickung nur allzu verständlich…

Kreuztal