Müssen sich Gedichte immer reimen? Nein, natürlich nicht, würden wir heute sagen. Aber über viele Jahrhunderte galt der Reim als unverzichtbarer Bestandteil der Poesie. Schriftsteller, Sänger und Poeten entwickelten zahlreiche Reimformen und Versmaße, die die Schönheit ihrer Worte unterstreichen sollten. Und der sogenannte Kreuzreim war und ist eine der wichtigsten. Er fand beispielsweise in Volksliedern weite Verbreitung.

Reimschema des Kreuzreimes

Die gängigen Reimschemata unterscheiden sich vor allem darin, welche Zeilen (Verse) der einzelnen Strophen sich reimen. Bei einem Kreuzreim reimen sich die geradzahligen und die ungeradzahligen Verse untereinander: die erste Zeile mit der dritten, fünften und siebten – die zweite Zeile mit der vierten, sechsten und achten. Da die meisten Gedichte Vierzeiler sind, reimen sich also die erste und dritte sowie die zweite und vierte Zeile. Und weil ein Reimschema üblicherweise mit Kleinbuchstaben dargestellt wird, ergibt sich für den Kreuzreim folgender Aufbau: abab cdcd efef.

Zur Verdeutlichung hier ein selbst ausgedachtes Quatschgedicht:

(a) Lese ich hier diese Zeilen,
(b) muss ich mich ernstlich fragen,
(a) sollte ich daran noch feilen,
(b) oder was ganz Andres wagen?

Verwandte Reimformen

Um den ästhetischen Reiz von Gedichten anzureichern, haben Literaten den einfachen Kreuzreim oft ergänzt oder abgewandelt. Beliebt ist beispielsweise der halbe bzw. heterogene Kreuzreim, bei dem sich nur die zweite und vierte Zeile reimen, während die anderen beiden beliebig sind. So sieht das zugehörige Reimschema aus: abcb. Eine andere Variante ist die „Stanze“, bei der ein dreifacher Kreuzreim in einem abschließenden Paarreim endet: abababcc.

Für sich genommen ist der Paarreim ein einfaches – man könnte sagen „anspruchsloses“ Reimschema. Wie der Name andeutet, reimen sich hier immer zwei benachbarte Verse paarweise. Zum Beispiel folgender, an der Schmerzgrenze des guten Geschmacks wandelnder Versuch:

(a) Dieser Reim ist wirklich stumpf,
(b) macht nur dümmlich „humpf“.
(a) Will das wirklich lassen,
(b) denn kein Leser soll mich hassen 😉

Kreuzreim