Wer in der Rückenzeichnung der Kreuzotter wirklich Kreuze erkennen will, braucht schon eine Menge Phantasie. Zwar sieht das auffällige Ornament bei jeder Schlangen-Population ein wenig anders aus – erscheint in der Regel jedoch als Zickzack-Linie statt als Abfolge von Kreuzen. Die Kreuzotter ist neben der sehr seltenen Aspisviper eine von nur zwei heimischen Giftschlangen-Arten.

Kreuzotter
Kreuzotter im Gras – © Udo Nowak / pixelio.de

Nervengift für Menschen nicht tödlich

Das Wichtigste vorweg: Zwar besitzt die Kreuzotter ein durchaus starkes Gift, aber dies nur in so geringen Mengen, dass ihr Biss zwar für kleine Nahrungstiere, aber fast niemals für Menschen tödlich endet. Nur wer die scheue Schlange reizt oder aus Versehen auf sie tritt, muss eine Verteidigungs-Attacke fürchten. Die üblichen Folgen eines Kreuzotterbisses sind eine lokale Schwellung, Herzbeschwerden und Atemnot, die aber von selbst wieder nachlassen. Ein Arztbesuch ist trotzdem ratsam.

Obwohl die Kreuzotter in vielen Regionen Nord-, Ost- und Süddeutschlands vorkommt, haben nur wenige Menschen das Glück, sie in freier Natur zu entdecken. Der Grund ist, dass die Populationsdichte fast überall so gering ist, dass die Art als stark gefährdet gilt. Am häufigsten ist die Kreuzotter auf Rügen und der Nachbarinsel Hiddensee. Innerhalb Europas reicht ihr Verbreitungsgebiet allerdings ostwärts bis weit nach Russland und nordwärts bis über den Polarkreis hinaus.

Kreuzottern gebären lebend

Als wechselwarmes Tier ist die Kreuzotter darauf angewiesen, ihren Körper in der Sonne aufzuwärmen. Daher liebt sie beispielsweise offene Moor- und Heideflächen. Da diese Flächen in Deutschland stark beschnitten wurden, ist der Lebensraum der Giftschlange entsprechend zusammengeschrumpft.

Ein paar biologische Fakten: Die Kreuzotter (lateinischer Name Vipera berus) kann in vielen unterschiedlichen Farbtönen auftreten und wird meist bis zu 70 Zentimeter lang. Die Weibchen sind deutlich größer als die Männchen, brüten die Eier direkt im Mutterleib aus und gebären die Jungen lebend. Den europäischen Winter überstehen die Kreuzottern in einer mehrmonatigen Kältestarre. Die Tiere mit dem entfernt an Kreuze erinnernden Zickzack-Muster werden 15 bis 20 Jahre alt.

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