„Crucelin“ hieß das Kloster, das dem Schweizer Städtchen Kreuzlingen ganz unverkennbar seinen Namen gab. Gegründet wurde das Augustiner-Chorherrenstift im Jahr 1125 – fast in Sichtweite des Bodensees. Heute ist in den ehemaligen Klostergebäuden ein Lehrerseminar untergebracht und auch die umgebende Siedlung Kreuzlingen hat ihr Gesicht deutlich verändert.

Geschichte: vom Weinbau zum Industriestandort

Über Jahrhunderte suchten nur wenige Häuser rund um das Kloster Schutz. Die Menschen arbeiteten vor allem im Weinbau, Rebstöcke prägten die Landschaft. Die Besitzer der Weinberge kamen oft aus der benachbarten Stadt Konstanz, mit dem es schon seit ewigen Zeiten starke wirtschaftliche Verflechtungen gab. Daran änderte sich auch wenig, als um 1460 das Südufer des Bodensees Teil der Eidgenossenschaft (der heutigen Schweiz) wurde. Spürbarer waren dagegen die zwischenzeitliche Zerstörung des Klosters im 30-jährigen-Krieg und die stärkere Abgrenzung vom Deutschen Reich im 19. Jahrhundert.

Kreuzlingen
Schloss Seeburg in Kreuzlingen – © Gerhard Giebener / pixelio.de

Als Eisenbahn und Industrialisierung den Schweizer Kanton Thurgau erreichten, stieg die Einwohnerzahl stark an. Die Weinberge mussten Industrie und Gewerbe weichen. Erst 1874 begann der schnelle Aufstieg Kreuzlingens zu einem Bezirkshauptort und Wirtschaftsstandort. Bis dahin war Kreuzlingen ein unbedeutender Ortsteil der Gemeinde Engelshofen gewesen. Innerhalb kurzer Zeit wurden alle Nachbarorte ins neu geschaffene Zentrum Kreuzlingen eingemeindet.

Wirtschaftsraum mit Konstanz

Heute ist Kreuzlingen mit seinen 22000 Einwohnern noch immer eine Kleinstadt – allerdings mit einer erheblichen Wirtschaftskraft. Im Gemeindegebiet sind unter anderem Unternehmen der Rüstungs- und Bekleidungsbranche ansässig. Geblieben ist die starke Verflechtung mit Konstanz: Die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz verläuft mitten durch bebautes Gebiet und ist kaum erkennbar. Aus historischen Zeiten ist ein knappes Dutzend „Schlösser“ bzw. Herrenhäuser erhalten geblieben. Wie auch im benachbarten Deutschland haben aber die Schweizer ihr Erbe nicht immer pfleglich behandelt: Das Wasserschloss Gaissberg, das 1328 schriftlich erwähnt wurde, musste in den 1960er-Jahren einem Hochhaus weichen.

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