Wo sich Seile sinnvoll kreuzen, da entsteht – ein Knoten. Und ein recht einfacher und beliebter Knoten ist der Kreuzknoten. Ohne es zu wissen, benutzen viele von uns einen modifizierten Kreuzknoten jeden Tag – denn die Schuhschleife beruht auf der selben Verknüpfung zweier Fäden. Einziger Unterschied sind die beiden Schleifen, denn der Knoten wurde (wie Fachleute es ausdrücken) „auf Slip gelegt“.

Das Knüpfen irgendeines Knotens ausschließlich mit Worten beschreiben zu wollen, ist ein fast hoffnungsloses Unterfangen. Wer einen Knoten beherrscht, wird ihn ohne bewusstes Nachdenken, nur mit dem Körpergedächtnis ausführen. Zur Erläuterung lassen wir demnächst bewegte Bilder (Video ist in Arbeit).

Kreuzknoten
Kreuzknoten – © Harald Wanetschka / pixelio.de

Bedeutung des Kreuzknotens

Wohl nirgendwo sind so viele verschiedene Knoten im Einsatz wie im Segelsport. Auch der Kreuzknoten hat hier seine Verwendung: Als „Reffknoten“ dient er dazu, gerefftes (eingeholtes) Segeltuch zusammenzubinden. Überraschender ist ein anderer Einsatzort: Der Kreuzknoten wurde und wird von Webern benutzt, um zwei lose Fäden miteinander zu verbinden. Der Vorteil dieses Knotens ist nämlich, dass er schmal genug ist, um zusammen mit den Kettfäden durch das Litzenauge zu gleiten, ohne die Mechanik zu behindern.

In der Antike galt der Heraklesknoten als Non-Plus-Ultra zum Verschließen von Behältnissen. Nach heutigen Erkenntnissen handelte es sich um nichts anderes als unseren Kreuzknoten. Schon die Benennung nach dem griechischen Helden Herakles (römisch: Herkules) zeigt, dass man große Stücke auf seine Festigkeit hielt. So soll sich der mythische Odysseus auf seiner Irrfahrt des Heraklesknotens bedient haben. In der griechischen Kunst wird er häufig als ineinander verschlungene Schlangen dargestellt.

Fehler und Gefahren

Anders als die alten Griechen kennen wir heute wesentlich festere Verbindungen als den Herakles- oder Kreuzknoten. In der Knotenkunde wird dem Kreuzknoten eine Festigkeit von 45 Prozent zugebilligt, was einen eher mäßigen Wert darstellt. Daher wird beispielsweise Kletterern, die sich mit einem Seil sichern, dringend zu anderen Knoten geraten.

Besonders schlecht schneidet der Kreuzknoten ab, wenn man versucht zwei unterschiedlich dicke Schnüre zu verbinden. Noch bedenklicher ist es, wenn sich Fehler beim Knotenknüpfen einschleichen. Dann können mit dem Diebesknoten und dem Altweiberknoten zwei verwandte, aber leicht lösbare Knotenvarianten entstehen. Kennzeichen des richtigen Kreuzknotens ist es, dass die losen Schnurenden jeweils parallel aus dem Knoten herausragen.

Kreuzknoten