Eine Website wie diese, die sich dem Thema „Kreuz“ widmet, kommt nicht umhin, auch über die Kreuzigung zu berichten. Die Kreuzigung ist nur zentrales Thema des Neuen Testaments; sie ist auch eine Hinrichtungsmethode, deren Ursprünge mehr als 3000 Jahre zurückreichen. Und sie ist ein Beispiel dafür, welche Grausamkeiten Menschen anderen Menschen antun können – ob sie nun der Sohn Gottes sind oder gewöhnliche Sterbliche. Daher erspare ich meinen Lesern die Details, auf welche Weise die Verurteilten an einem Kreuz befestigt wurden, auf dass sie ein qualvoller und zur Schau gestellter Tod ereile. Nur so viel:

Ob Phönizier, Assyrer oder Perser – viele der sogenannten Hochkulturen bedienten sich der Kreuzigung als Bestrafung. Nicht selten entledigten sich die Machthaber der Antike ihrer politischen Gegner auf diese abschreckende Weise. Historisch überliefert wurden Kreuzigungen mit Hunderten oder gar Tausenden Opfern. Im Judentum vor unserer Zeitrechnung galt die Kreuzigung als besonders schwere Strafe für gottlose Taten. Bei den Römern schließlich avancierte das Kreuzigen zu einer weit verbreiteten Hinrichtungspraxis.

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Kruzifix im Schloss Corvey

Die Kreuzigung kommt aus der Mode

Welche Prozeduren mit der Kreuzigung Jesu verbunden waren, darüber vertreten die Bibel und heutige Historiker im Detail unterschiedliche Ansichten. Als sicher darf aber gelten, dass diese Hinrichtung politische Hintergründe hatte und mit der seinerzeit üblichen Grausamkeit vollzogen wurde. Dies macht verständlich, warum die Christen späterer Jahrhunderte auf die „bewährte“ Methode verzichteten. Im Islam wurde diese sehr spezielle Rechtstradition noch länger fortgeführt.

Leider verzichteten die Christen zwar fortan auf die Kreuzigung, die ihren Heiland das irdische Leben kostete, aber keineswegs auf vergleichbare Tötungsformen. Stattdessen entwarf das europäische Mittelalter ein vielfältiges Instrumentarium, tatsächliche Delinquenten und angebliche Ketzer brutal zu bestrafen.

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