Obwohl Kreuzgewölbe in zahllosen christlichen Kirchen und Klöstern gebaut wurden, geht ihre kreuzartige Architektur nicht auf christliche Erwägungen zurück. Schon in vorchristlicher römischer Zeit bedienten sich Baumeister dieser Elemente, weil sie eine gute Stabilität der Gewölbe versprachen.

Das Kreuzgewölbe lässt sich als Weiterentwicklung des simpleren „Klostergewölbes“ verstehen. Es hat einen quadratischen Grundriss und besteht (vereinfacht) aus folgenden Elementen:

  • Vier Grate: Von jedem Eckpunkt des Kreuzgewölbes läuft jeweils ein Grat bis zum Schlussstein am Scheitelpunkt des Gewölbes. Die Grate stehen nach außen und gliedern das Gewölbe optisch.
  • Vier Schilde: Die vier Felder zwischen den Graten nennt man Schilde. Beim Kreuzgewölbe erscheinen die Schilde nach innen gewölbt, ähnlich wie eine Muschel. Zwei nebeneinander liegende Schilde werden aus jeweils einer „Kappe“ gebildet.
  • Die vier Schildbogen sind die Kanten, mit denen das Kreuzgewölbe an die umliegenden senkrechten Wände stößt.
  • Als Widerlager werden die vier Ecken bezeichnet, aus denen sich die Grate aufwärts entwickeln. Das Widerlager kann auf einer Mauer oder einer Säule ruhen, die die Last des Gewölbes nach unten ableitet.
kreuzgewölbe
Kreuzgewölbe in der Wartburg

Von dieser Reinform gibt es zahlreiche Abweichungen und Variationen. Insbesondere haben die mittelalterlichen Baumeister gelernt, dass es statisch vorteilhaft ist, den Scheitelpunkt der Gewölbe nach oben zu ziehen, also spitzer zulaufen zu lassen. Vor allem in Teilen des heutigen Frankreichs waren sehr steile Gewölbe (Domikalgewölbe) beliebt.

Kreuzrippengewölbe streben himmelwärts

Während der Begriff Kreuzgratgewölbe weitgehend synonym mit dem Kreuzgewölbe ist, stellt das Kreuzrippengewölbe eine besondere Ausprägung und Weiterentwicklung dar. Beim Kreuzrippengewölbe sind die Grate durch gemauerte Bögen verstärkt. Diese Bögen erfüllen zwei Funktionen: Sie sind eine optische Verschönerung und verbessern vor allem die Statik, da sich sich komplett selbst tragen. Architektonisch wegweisend war unter anderem der Speyerer Dom, in dem schon im 11. Jahrhundert Kreuzrippen errichtet wurden.

Entstand der Speyerer Dom noch zu romanischer Zeit, setzten sich die Kreuzrippen in der nachfolgenden Gotik endgültig durch, da sie höhere und filigranere Kirchräume erlaubten. Damit kamen die christlichen Baumeister ihrem Auftrag nach, die Gläubigen noch näher zu Gott zu weisen.

Kreuzgewölbe