Mit Staunen lesen wir Landratten, welche immense Bedeutung die Seefahrt seit Jahrtausenden für die Menschheit besitzt. War früher das Vorwärtskommen zu Fuß oder zu Pferde sehr beschwerlich, so erschienen die Meere als offene (und halbwegs sichere) Verkehrswege für Menschen und Handelsgüter. Um ihr Ziel zu erreichen, mussten schon frühe Segler die Kunst des „Kreuzens“ – des Segelns vor und gegen den Wind – beherrschen.

Im Zickzack zum Ziel

Das Kreuzen ist nur eines von unzähligen Begriffen aus der Seglersprache. Es beschreibt ein Manöver, dass ein Segelboot (oder ein ausgewachsenes Schiff) auch dann gut zum Ziel bringt, wenn die Winde einmal ungünstig stehen. Denn eine Mischung aus Seglergeschick und Physik erlaubt es dem Boot, auf einem Zickzackkurs gegen den Wind zu segeln – zu kreuzen.

An dieser Stelle ein Bekenntnis: Leider ist der Autor dieser Zeilen kein Segler und hält das Kreuzen daher für eine Mischung aus Seemannsgarn und Magie 😉 Trotzdem versuche ich den Vorgang des Kreuzens im Groben zu beschreiben, und hoffe auf Nachsicht für meine Fehler und Ungenauigkeiten.

Das Kreuzen gegen den Wind

Ein kreuzendes Schiff ändert auf seinem Weg mehrfach seine Richtung (es „wendet“). Dabei wird es nicht etwa vom Wind zurückgeworfen, wie der Laie annehmen könnte, sondern nähert sich Stück für Stück seinem Ziel. Die Hauptursache ist, dass der Wind in einem geeigneten Winkel auf die Segel trifft, wo ein Unterdruck entsteht. Der Effekt ist vergleichbar mit einem Flugzeug, das nur deshalb in der Luft bleibt, weil an den gebogenen Tragflächen besondere Strömungsverhältnisse wirken.

Dieser Unterdruck zieht das Schiff in die gewünschte Richtung. Betrachtet man die wirkenden Kräfte, sorgt nur ein Teil der vollen Windenergie für den Vortrieb. In der Summe aller Kräfte kommt das Boot aber voran. Neben dem Segel verstärkt sich der Effekt durch die Stellung von Kiel und Ruder. Das funktioniert wohl besonders gut bei kleinen, wendigen Booten, während große historische Segelschiffe manchmal lieber auf günstigere Winde warteten als im Schneckentempo zu kreuzen.

Kreuzen (Segeln)