Er mag nicht der einzige deutsche „Kreuzchor“ sein – aber er ist mit Sicherheit der bekannteste: der Dresdner Kreuzchor. 123 Knaben zwischen 8 und 19 Jahren singen in diesem Ensemble – die sogenannten Kruzianer. Ein Kuriosum ist die umstrittene Historie des Chores. Aufgrund unklarer Quellenlage feierten die Kruzianer in den vergangenen Jahrzehnten wenigstens zwei „runde“ Jubiläen, die sich auf fiktive, unbelegte Chorgründungen stützen. Obwohl manches dafür zu sprechen scheint, dass der Chor rund 650 Jahre existiert, beging er im Jahr 2016 offiziell seinen 800. Geburtstag. Den Dresdnern sei es gegönnt…

Historisch gesichert ist wohl, dass an der Dresdner Kreuzkirche schon 1371 Chorknaben ausgebildet wurden. Noch heute ist die Kreuzkirche die Heimstatt des Knabenchores: Wenn der Kreuzchor nicht gerade auf Gastspielen ist, gestalten die Sänger die Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen mit. Heutiger Leiter des Ensembles ist der Musikprofessor Roderich Kreile.

Kruzianer mit Haut und Haaren

Auf rund 100 Auftritte bringt es der Chor jährlich – wobei sich die Knaben teilweise abwechseln und so auch mal Pause bekommen. „Kruzianer“ zu sein, geht aber weit über das musikalische Engagement hinaus. Die Chormitglieder werden ab der dritten Klasse gemeinsam beschult, wohnen später im Internatsgymnasium und verbringen einen großen Teil ihres Lebens gemeinsam. Dies dient der Talentförderung und Gruppendynamik, mag aber auch die eine oder andere persönliche Herausforderung bergen. Bewerbungen für Neumitgliedschaften werden gerne angenommen.

Kreuzchor (Dresden)