Wenn es uns im Kreuz schmerzt, dann ist das Kreuzbein meistens unschuldig – ganz im Gegensatz zu der Lendenwirbelsäule oberhalb. Auch die beiden Iliosakralgelenke, die das Kreuzbein mit dem Becken verbinden, sind beim Homo Sapiens störanfällig. Schuld ist aber weder der aufrechte Gang unserer Art, sondern eher Bewegungsarmut und Fehlbelastung.

Kreuzbein
In der Mitte das Kreuzbein, umgeben von Beckenknochen. Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert.

Lage und Aufbau des Kreuzbeins

Entwicklungsgeschichtlich hat der untere Abschnitt unserer Wirbelsäule eine spannende Vergangenheit. Das Kreuzbein bestand irgendwann einmal aus fünf einzelnen Wirbeln, zwischen Lendenwirbelsäule und Steißbein. Beim Menschen und bei den heutigen Säugetieren sind diese Kreuzbeinwirbel aber zu einem einzigen Knochen, einer keilförmigen Platte, zusammengewachsen. Überbleibsel früherer Strukturen sind noch als knöcherne Rippen und Erhebungen zu erkennen. Aus kleinen Öffnungen zu beiden Seiten treten die Rückenmarksnerven aus und verbinden unsere untere Körperhälfte mit dem Gehirn.

Unsere Wirbelsäule ist wie ein doppeltes S gebogen, wobei sich das Kreuzbein nach vorne wölbt. Diese Form, die sich erst beim Kleinkind langsam ausprägt, ist ideal für den Zwei-Füßer-Gang. Da die größte Belastung auf den unteren Teil der Wirbelsäule wirkt, ist es sinnvoll und evolutionsbiologisch kein Zufall, dass das Kreuzbein besonders stabil gebaut ist.

Kreuzbein-Schmerzen?

In seltenen Fällen kann das menschliche Kreuzbein fehlgebildet sein oder eine falsche Stellung einnehmen. Manchmal ist die Knochenplatte um einen Lendenwirbel vergrößert oder verkleinert, was aber meist geringen Krankheitswert hat. Die eigentlichen Problemzonen sind aber die Lendenwirbelsäule und die Iliosakralgelenke. Hier nehmen beispielsweise viele rheumatische Erkrankungen und Morbus Bechterev ihren Anfang, bevor sie andere Teile der Wirbelsäule und des Skeletts befallen.

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