Ein echter Hingucker für Hobby-Astronomen ist das „Kreuz des Südens“. Leider kann man dieses auffällige Sternbild in hiesigen Breiten nicht beobachten, sondern muss sich Richtung Südhalbkugel auf die Reise machen. Erst wenn man sich dem Äquator nähert, erscheint das Sternbild tatsächlich am Nachthimmel: Drei besonders helle und ein etwas schwächerer Stern, deren Verbindungsachsen ein gedachtes Kreuz zeichnen.

Was für heutige Beobachter nur ein hübscher Blickfang ist, hatte für die Seefahrer früherer Jahrhunderte existenzielle Bedeutung: Wer nämlich die Längsachse des Kreuzes verlängert, findet den südlichen Himmelspol und kann mit dieser Information auf dem Meer navigieren. Das Kreuz des Südens trägt seinen Namen, weil es den Südpol anzeigt, nicht wegen seiner südlichen Lage auf dem Himmelsglobus.

Brasilien Flagge
Ausschnitt aus der Nationalflagge Brasiliens – in der Mitte unten das Kreuz des Süden

Spannende Sternenkonstellation

Astronomisch betrachtet sind Sternbilder scheinbare und vor allem zufällige Konstellationen von himmlischen Objekten, die oftmals sehr unterschiedliche Entfernungen zu uns Beobachtern auf der Erde haben. Das gilt auch für die vier hellsten Sterne im Kreuz des Südens, die die prosaischen Namen Acrux, Becrux, Gacrux und Decrux tragen (abgeleitet vom lateinischen Begriff Crux für Kreuz). Acrux (Alpha-Crucis) ist ein 321 Lichtjahre entfernter Doppelstern, der an Nummer 13 der hellsten beobachtbaren Sterne steht. Sein Opponent auf am anderen Ende der Längsachse heißt Gacrux (Gamma-Crucis) ist ebenfalls ein Doppelstern, aber nur rund 90 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Beinahe noch spannender ist das, was man nicht sieht: Zwischen Acrux und Becrux erstreckt sich eine scheinbare Leere, der sogenannte Kohlensack. Diese mindestens 500 Lichtjahre entfernte „Dunkelwolke“ aus Gas und Staub verdeckt das Licht der dahinter zweifellos leuchtenden Sterne und lässt diesen Teil des Weltraums für uns „leer“ erscheinen.

Und überhaupt liegen Sternbilder stets im subjektiven Auge des Betrachters – und je nach kulturellem Hintergrund ergeben sich ganz andere Interpretationen. Sahen die christlichen Seefahrer des 16. Jahrhunderts im Kreuz des Südens ein göttliches Zeichen, erkennen die australischen Aborigines gar kein Kreuz, sondern einen gewaltigen Emu mit dem Kohlensack als dunklem Kopf.

Das Sternbild wandert

Dass nichts am Himmel still steht, zeigt auch das Kreuz des Südens. War das Sternbild während der Jungsteinzeit noch in Mitteleuropa zu sehen, wanderte es immer weiter südwärts. Für die alten Griechen lag es an der Grenze des beobachtbaren Himmels. Schuld an dieser scheinbaren Verschiebung ist die Präzession – eine Kreiselbewegung der Erdachse, die für einen vollen Umlauf gut 25000 Jahre benötigt. Wir werden also noch einige Zeit waren müssen, bis wir wieder in den Genuss dieses Anblicks kommen werden.

Kreuz des Südens (Sternbild)